Über die Druckgrafiken Heinz Friedrichs

Immer schon haben Maler auch die druckgrafischen Techniken beherrscht, jedenfalls seit der Mitte des 15. Jahrhunderts. Mit dem Buchdruck nahm auch der Buchschmuck, vornehmlich als Holzschnitt, besonderen Rang ein und erreichte unter Wilhelm Pleydenwurff, Michel Wolgemut und Albrecht Dürer höchste Vollendung. Wie der Kupferstich unter Meister Es und Martin Schongauer bildmäßige Gültigkeit erhielt, so fanden auch die Holzschnitte und Radierungen zum Beispiel Dürers und Wolf Hubers als Einzelblätter Beachtung. Ohne ausführlicher die Geschichte der Holzschneidekunst und des Kupferstichs, aber auch der Radierung zu zitieren, wollen wir uns doch erinnern, dass gerade diese Techniken des ausdrucksvollen Schwarz-Weiß, jenes Bild-Erfinden aus der Linie ein typisch germanischer Wesenszug ist, während der Romane viel eher der Farbe zuneigt. Darum ist die eigentliche Wiederentdeckung des frühen Holzschnitts durch die deutschen Expressionisten nur natürlich. Selbstverständlich spielte dabei auch das Erscheinen des japanischen Farbholzschnitts in Europa keine geringe Rolle. In der begeisterten Auseinandersetzung und vehementen Verarbeitung dieser Wurzelströme fanden insbesondere die deutschen Künstler der "Brücke" in Dresden am Anfang des 20. Jahrhunderts ihren grafischen und farbigen Ausdruck. Steg und Fläche im farbigen Aneinander und Übereinanderdruck wurden zum faszinierenden Erlebnis und Abenteuer. In dieses Abenteuer hat sich auch Heinz Friedrich eingelassen. Wenn er meint, dass er zum Holzschnitt durch Zufall gekommen sei, so glauben wir doch, dass ein blutvoller Maler wie Heinz Friedrich sich einfach mit der lebendigen Tradition auseinandersetzen musste. Die ersten druckgrafischen Blätter entstanden kurz nach 1960. Bereits kräftig im Duktus, lassen der kleine "Harlekin" oder der "Tanz der Salome", sowohl in Linol als auch in das sprödere Holz geschnitten, die Handschrift ahnen. In den Jahren 1962/63 entstand bereits das farbig wohltemperierte Blatt des "Russischen Balletts". An großformatigen "Spielkarten"-Blättern wird die farbige Flächendifferenzierung erprobt. Aus den Erfahrungen im Umgang mit der leicht schneidbaren Linolplatte und dem widerständigen Langholz wuchs zusehends das Interesse. Mit der Bestellung einer Druckgrafik für eine Edition im Jahre 1969 setzt die bewusste Arbeit und damit auch die Problematik ein. Es handelt sich um einen dreifarbigen Linolschnitt, der von einer Platte gedruckt wurde. ähnlich wie die Expressionisten zerschnitt der Künstler die Platte, dem Motiv entsprechend, in drei Teile und druckte jeden Farbteil für sich. In diese Zeit gehören auch die Linolschnitte mit den Druckversuchen von der "verlorenen" Platte. Hier werden nach genauer Vorplanung aus derselben Platte mehrere Schnittformen geschaffen und übereinandergedruckt.
"Jetzt hatte ich Blut geleckt", berichtet Heinz Friedrich, "und ging in rascher Folge an großformatige Schwarz-Weiß-Holz und -Linolschnitte." Kontakte zu anderen Holzschneidern eröffneten neue Möglichkeiten und Einblick in deren drucktechnische Erfahrungen und Resultate. "Als Maler von Haus aus musste ich zwangsläufig zum Farbholzschnitt kommen. Der reine Vorgang des Überdruckens schlägt mich heute noch in seinen Bann." Rückblickend ist leicht verständlich, dass der Künstler damals mit wachsender Begeisterung das neue Ausdrucksmittel anging. Den Umgang mit dem Material und Werkzeug erarbeitete sich Heinz Friedrich mehr oder weniger autodidaktisch. Gelegentliche Ratschläge seiner Kollegen nahm er gerne an. Und dass trotzdem so mancher Schnitt und Druck danebenging, gehört ehrlicherweise zum Lernprozess.
Über die Technik des Holzschneidens gibt es genügend Literatur. Doch ist vielleicht interessant, über den spezielleren Farbholzschnitt einige Informationen zu geben.
Allem voraus geht wie bei anderen druckgrafischen Techniken nach klärenden Skizzen ein Entwurf bzw. eine Zeichnung in der beabsichtigten Größe. Diese Zeichnung wird seitenverkehrt auf die Holzplatte gepaust – Friedrich verwendet meist die furnierte Tischlerplatte –, die die erste Farbe druckt. Für jede Farbe muss ein eigener Druckstock (so wird die geschnittene und für den Druck vorbereitete Platte genannt) geschnitten werden. Eine Ausnahme bildet der "verlorene Holz- bzw.- Linolschnitt". Mit der wachsenden Schneideerfahrung weiß der Künstler die Farbigkeit der sich überlappenden Flächen einzuschätzen, sofern er diesen nicht unwesentlichen Nebeneffekt einplant. Die "Passer", also die angrenzenden bzw. sich überdeckenden Ränder, kann der Holzschneider je nach Temperament, Vorwurf und Absicht unterschiedlich genau ausführen. Heinz Friedrich bekennt von sich: "Ich selbst spiele ganz gern mit ,ungenauen' Passern, weil das Durchblitzen des Untergrundes wie ein zusätzliches Lineament wirkt und die grafische Wirkung verstärken bzw. erhöhen kann. In gewisser Weise greife ich die vorherige Form an, verfremde sie ein wenig und erzeuge so eine neue Form. Ich habe auch gar nicht die feste Absicht, minuziös genau zu arbeiten. Dies liefe meinem Temperament zuwider. Von besonderem Reiz ist die Wahl der Farben. Ökonomische Überlegungen müssen mit dem künstlerischen Wollen in Einklang gebracht werden. Ich entscheide mich meist zwischen 3 und 6 Farben. Zu viele Farben wirken eher bunt statt farbig. Von den etwa dutzend Handabzügen, die ich jeweils mit kleinen Farbvarianten drucke, bleiben schließlich 3 bis 4 Blätter, die meiner Vorstellung nahekommen.
Soll das Blatt in einer größeren Auflage gedruckt werden, dann gehe ich mit den Stöcken in meine Druckerei. Dort wird auf einer herkömmlichen Buchdruckmaschine, die heutzutage im Zuge der Modernisierung leider kaum noch zu finden ist, von meinen Stöcken das Blatt in meinem Beisein gedruckt. Nur so habe ich auch die Sicherheit, dass der Druck meinen Vorstellungen entspricht. Die von mir bevorzugten Tischlerplatten als Stöcke haben übrigens, und das ist ein entscheidender Grund, die erforderliche Steghöhe wie das herkömmliche Druckmaterial, das ja genau in den Druckschlitten passen muss. Außerdem sind diese Platten querverleimt und absolut plan und nicht verzogen wie die übliche Langholzplatte. Die Oberfläche druckt daher, wenn sie fehlerfrei ist, gleichmäßig aus.
Die Farbtöne mische ich selbst. Trotzdem bin ich froh um meinen einfühlsamen Drucker, der mit sicherem Griff die Maschine bedient und, falls nötig, auch zu improvisieren weiß. Obwohl mir der Umgang mit der Farbe vertraut ist, hat der farbige Druckablauf etwas Faszinierendes. Je nach Konsistenz der Farbe, ob lasierend – milchig – deckend, erziele ich andere Resultate."
Der Künstler hat, wie wir feststellen können, seine Hand im Spiel, und immer so, dass die Sprache des Materials optimal zur Wirkung kommen kann. Nach dem kurzen Einblick in den Schaffensprozess des Künstlers fragen wir nach dem Motivkreis. Die Vielseitigkeit des Malers und Zeichners kennzeichnet auch das druckgrafische CEuvre. Nicht selten finden wir in den Holzschnitten Motive wieder, die der Künstler bereits gemalt hat, so etwa die hügelige Landschaft des Kraichgaus in der Nähe von Heidelberg und Schwetzingen oder die nahe Pfalzlandschaft In dem kleinen Pfalzdorf Frankweiler, eingebettet in die abwechslungsreichen Vorberghänge, hat Friedrich ein kleines Atelier. Hier entstanden die tektonisch gegliederten Weinbergzeilen und die weiten, großflächigen Ansichten mit dem hochgezogenen Horizont. Nicht weniger beherrscht sind die Blumenstilleben geschnitten, ein schwieriges Thema, wenn wir bedenken, welche Konzentration auf das Wesentliche von Blüten und Farben gefordert ist. Doch gerade hier, sehr oft am "anspruchslosen" Feldblumenstrauß (1977) in einem Krug oder im Glas, erweist sich die sichere Ökonomie in der Form-Farb-Komposition. Bei aller dekorativen Strenge blitzt die Natur der einfachen Dinge auf. Gleichzeitig wird das Weiß des Papieres zu einem weiteren Tonwert. Wie der Künstler selbst sagt, operiert er nicht mit dem Zufall, sondern überlegt und reflektiert Formverlauf und Farbform als Gesamtkomposition sehr genau.
Nur so konnte ihm ein großformatiges Blatt wie zum Beispiel der "Pfau" gelingen. Vom feinen Wohlklang der ruhigen Tierform und der sparsamen, aber hochdifferenzierten Farbigkeit ist das Blatt erfüllt. Die Vibration des gedämpften Hintergrundtones und der Abdruck der feinnervigen Holzmaserung erinnern sowohl an asiatische Vorbilder wie auch an Edvard Munchs farbige Blätter. Immer wieder begegnen wir auch der Menschendarstellung, die ja im zeichnerischen und malerischen Werk eine hervorragende Rolle spielt. Da finden sich elegant-raffinierte großformatige Farblinolschnitte mit Szenen aus der Welt der Mode und des silbrigglitzernden Kostüms, Reminiszenzen seiner jahrelangen Tätigkeit als Bühnenbildner an verschiedenen Theatern. Spröder und kerniger dagegen wirken die folkloristischen Farbholzschnitte zu Volksfesten. Die zunehmende Anerkennung und Wertschätzung, inzwischen aktives Mitglied bei "Xylon", der internationalen Vereinigung der Holzschneider, die u. a. Gerhard Marcks, HAP Grieshaber und Josua Reichert zu ihren Mitgliedern zählt und von Erich Heckel, Ewald Mataree, Otto Pankok und Max Pechstein mitbegründet wurde, führte schließlich zu Editions- und Galerieaufträgen. So entstand 1973 die großformatige Holzschnittfolge "Sieben Pfälzer Feste", das Deidesheimer Geißbockfest, das Freinsheimer Hahnenfest, das Brezelfest in Speyer, der Dürkheimer Wurstmarkt, das Fest des Federweisen, das deutsche Weinlesefest in Neustadt und der Billigeimer Purzelmarkt, heitere Schilderungen des Pfälzer Volkslebens in kräftiger Farbigkeit. Wer die Pfälzer kennt, spürt deutlich, wie treffend Heinz Friedrich die Mentalität im Klang der Farben und im grafischen Ausdruck zu gestalten verstand.

 


 

Von ganz anderer Art sind die zwölf Monatsblätter aus der "Welt des Weins" (1976), die sowohl als Einzelblätter in Mappenform wie auch als Kalender gedruckt wurden. Aus einer großen Sammlung von Studien im Jahre 1975 wählte Heinz Friedrich zwölf Motive, auf denen die Jahresarbeit des Winzers geschildert wird. Die zuchtvolle Beschränkung auf Schwarz-Weiß, der überlegte Wechsel von Weißlinienschnitt mit Steg- und Flächenschnitt in starker Vereinfachung verleiht dem quadratischen Format beschaulichen Charakter. Die langjährige Zusammenarbeit mit der Galerie am Grasholz. In Würzburg schlug sich schließlich in der "Würzburger-Mappe" nieder, sieben Blätter mit bedeutenden Architekturlandschaften der mainfränkischen Bischofsstadt. Das bisher aufwendigste und in der Gesamtkonzeption geschlossenste Holzschnittwerk ist die Mappe: Bibelgeschichten – sechs Farbholzschnitte. Die Kassette mit den Holzschnitten in der Größe von 54 x 39 cm erschien 1978. Der Künstler schnitt für jedes Motiv bis zu sechs Farbplatten. Aus immer neuer Lektüre der alttestamentlichen Schriften wuchsen dem Künstler die hochdramatischen Bilder der Menschheitsgeschichte zu. Vor allem waren es die Frauengestalten, die oft das Schicksal eines Volkes bestimmten. Die geheime Faszination des Weibes, das in seiner Liebenswürdigkeit, in seiner farbigen Sinnlichkeit den Mann verführte und in seinem schillernden Wesen und in der hochdramatischen Ausstrahlung tragisch verstrickt dennoch die Heilsgeschichte mitbewegte, hat Heinz Friedrich in ausdrucksvollen Farbholzschnitten gestaltet. Jedes Blatt zeigt eine andere, jedoch dem Thema entsprechende delikate Farbigkeit. In jahrelangem Entwurfsprozess, der sich in zahlreichen Skizzen und Farbkompositionen niederschlug, reifte schließlich Blatt um Blatt. Wie selbstverständlich verbinden sich Form und Farbe, wenn wir zum Beispiel das verhaltene Gründer paradiesischen Landschaft mit der silbrigen Helle der menschlichen Gestalten von Adam und Eva auf dem ersten Blatt der Folge vergleichen. Der außerordentlich geschickte Wechsel von Kontur und Fläche, dazu die kühne Überlappung von Schnittflächen und Farbtönen, die sich beim Überdruck mischen, im Ton verstärken oder schwächen, lässt die hohe Meisterschaft erkennen. Dabei wirkt die Komposition von Linien und Flächen nirgends verspielt, sondern erreicht in der bühnenartigen Formulierung monumentalen Charakter.
Hinzu kommt die Farbe, die der ohnehin menschlichen Dramatik noch eine weitere Steigerung und Spannung verleiht. So erleben wir im "Tanz der Salome" (sechstes Blatt) den blutrünstigen Herodes als leibhaftigen Gefangenen seiner Lust, ausgeliefert der weiblichen List. Gerade in diesem Holzschnittwerk gelingt Heinz Friedrich jene Dichte im künstlerischen Ausdruck, die der lebensnahen Übersetzung Martin Luthers in vornehmer Weise ebenbürtig wird. Bildhaftes Wort und die Sprache des Bildes werden zur Einheit. Von hohem ästhetischen Reiz ist die wohlausgewogene Verteilung von Bibeltext und Bild auf den Doppelbogen. In ihrem kräftig-eleganten Schnitt bildet die Garamond-Type eine hervorragende Ergänzung zum gegenüberliegenden Farbholzschnitt. Mit dieser Kombination stellt sich Heinz Friedrich in die große Tradition, die mit den berühmten Inkunabeln der Wiegendruckzeit begann, in der Albrecht Dürer seine Apokalypse schnitt und Albrecht Altdorfer und Lucas Cranach ihre Bibel-Illustrationen schufen.
Selbstverständlich behalten die Einzelblätter ihre Eigenständigkeit. Sie wirken wie flächige, von der Bildform bestimmte Malerei. Hier treffen wir auf den Maler, der von sich sagt, dass er tatsächlich in erster Linie malerisch sieht und denkt. Die Kraft der Farbe, die wir bei Friedrich in reicher Differenzierung bewundern, durchströmt auch den farbigen Holzschnitt. Immer aber wird die freiere Farbform durch das strenge Schnittgerüst des Holzes und seiner Maserung, vor allem durch den disziplinierten Schnitt der Zeichnung gebändigt und gefestigt. So bleibt nicht aus, dass zwischen Malerei und Grafik eine Wechselwirkung besteht. Heinz Friedrich stellt selbst fest: "Meine Malerei hat in der tätigen Auseinandersetzung mit dem Farbholzschnitt viel an Klarheit gewonnen, seit ich in Holz schneide." Spät erst entdeckte Heinz Friedrich die Technik der Radierung, die seiner Zeichenweise noch näherliegt als der Holzschnitt. Jedenfalls datieren die ersten Radierungen in das Jahr 1978. Der sichere Zeichner hat beim Radieren eigentlich keine Schwierigkeiten. Dies erkennen wir bereits an den ersten Ergebnissen, einfachen Motiven aus der nächsten Umgebung. Da wäre der "Tote Spatz" zu nennen, dessen struppige Federn und starre Beinchen treffend erfasst sind, oder das welke Herbstlaub auf dem Boden, das vom Sturm dahergeweht beieinanderliegt. Spontane und unmittelbare Zeichnung erlaubt das Radieren, vor allem bei direkter Aufzeichnung auf die unbehandelte Platte. Wir sprechen dabei von "kalter Nadel, weil der Künstler mit der Stahlnadel seine Zeichnung auf die Metallplatte schreibt, kratzt und ritzt. Bei der "heißen Nadel", der Ätzradierung, wird die leicht auf die Platte geritzte Zeichnung mit Hilfe von Säure in die Platte eingeätzt. Der spontanlebendige Strich geht dabei verloren. Heinz Friedrich begründet seine Vorliebe für die "kalte Nadel". Er sagt: "Ich wähle die kalte Nadel für die Radierung, weil sie mit meinen zeichnerischen Bemühungen parallel läuft." Natürlich ist das Zeichnen mit der kalten Nadel in gewisser Weise, je nach Metall, wie beim Holzschnitt mit einigem Kraftaufwand verbunden. "Die weiterführenden Techniken der Radierung wie ätzen, Aquatinta, Vernis mou haben mich bisher wegen des teilweise mühsamen und zeitraubenden Aufwandes immer abgeschreckt. Meine motorische, spontane Art zu arbeiten erlaubt mir nicht das geduldige Warten und Probieren, bis sich ein brauchbares Ergebnis einstellt. Das kraftvolle Handhaben der Nadel auf dem Blech, das Anreichern der Stimmungswerte mit grobem Schmirgel, Stahlwolle, Maulette und manchmal auch mit einem zugeschliffenen Stahlnagel genügen vollauf." Das Einfärben vor dem Druck ist so abenteuerlich, dass der Maler auf seine Kosten kommt. Denn beim Tiefdruckverfahren, bei dem ja die geritzten Linien – also die tiefliegenden, mit Farbe gefüllten Rillen – das gezeichnete, übrigens seitenverkehrt aufgezeichnete Bild abdrucken, muss die Plattenoberfläche blankgerieben werden. Lappen verschiedener Herkunft, Nylonstrümpfe, Tüll, Zeitungspapier und schließlich der nie mehr sauber werdende Handballen und ein wenig Kreide können immer wieder für brauchbare Resultate gut sein. Das Druckpapier spielt wie beim Holzschnitt oder beim Aquarellieren eine entscheidende Rolle. Das rechte Anfeuchten der unterschiedlich starken Papiere ist eine Wissenschaft für sich. Es kann auf vielerlei Arten geschehen, ebenso wie das Trocknen. "Auch bei der kalten Nadel war ich mir im klaren, dass Motiv und Format dem Ausdrucksmittel entsprechen müssen. Daher habe ich mich zunächst auf kleine Formate und bescheidene Themen beschränkt. Die überschaubare Größe ist zu bewältigen, wenn ich die richtigen Ausdrucksmittel wie Strichlagen, Strichbündelung, Schraffuren und Strukturen benütze. Die Arabeskefreie Linie ist dagegen schwerer zu kontrollieren. Die Nadel rutscht aus und wird krakelig, es sei, ich setze diese grafischen Zeichen bewusst ein." Wie reizvoll im Strich und wie ausdrucksvoll in ihrer Natürlichkeit sind die kleinformatigen Blumensträußchen! Die kraftvoll geritzte Umrisslinie verleiht Blüte und Blatt pulsierendes Leben. Ungewöhnlich und originell zugleich sind die "Hühner im Stall". Ein kleiner Ausschnitt zwar nur, vermittelt er doch die Stimmung von Sonne und Schatten. In raffiniertem Wechsel von leerem Umriss und dichter Körperstruktur, in der Anordnung von Parallelschraffen und Kreuzlagen wird die nicht fassbare Helligkeit auf dem Hühnervolk erreicht. In monumentaler rhythmischer Gliederung ist "Damwild im Wald" zusammengefügt, eingespannt in das lichte Stammholz. Aus der flächigen Tiefenschichtung heben sich die schweren, dunkelschraffierten Tierleiber auf den grazilen Beinen ab. Die Zeichen erhalten nach ihrer Bedeutung Gewicht. Diese Überlegungen wie auch die Bildkomposition bestimmen so anspruchslose Motive wie das Blatt "Alte Gartenhütte mit Zaun". Es ist erstaunlich und bewundernswert, wie sehr die Impression eines alten Maschenzauns, die den Künstler gewiss interessiert hat, die Welt eines Kleingartens verklärt. Erst recht, wenn der Künstler sein Liniengerüst aus Ästen und Stangen noch anreichert mit dem feinen Grauwert der Stahlwollschraffen, feinsten Linien, die in ihrer Dichte malerische Wirkung ergeben. Ob wir beim Betrachten solcher Stilleben und Stimmungen an G. Morandi denken mögen oder an B. Müller-Linow, mit dem Heinz Friedrich befreundet ist? Vorbilder zu haben, an denen der Mensch, aber auch der Künstler, sich orientieren kann, hat noch nie geschadet. Dass Heinz Friedrich auch in der Radierung seine unverwechselbare Handschrift besitzt, beweist das bis heute vorliegende Werk. Charakteristisch und für das Wesen von Heinz Friedrich aufschlussreich ist seine Bemerkung: "Ich habe es stets als Stimulanz empfunden – getrieben von der Neugierde –, neue Ausdrucksmöglichkeiten zu suchen und neues Material zu erproben. Ich habe erfahren dürfen, wie sehr meine Malerei von der Druckgrafik befruchtet wird und wie das malerische Denken die grafische Bemühung bereichert. Dies bewirkt, dass mein Schaffen immer eine gewisse Frische erhält."


Prof. Dr. Richard Bellm